Viele Diabetiker sollten auch im Sommer nicht barfuß gehen




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Viele Diabetiker sollten auch im Sommer nicht barfuß gehen

Beitragvon Sid » Mi 17. Jul 2019, 12:29

Viele Diabetiker sollten auch im Sommer nicht barfuß gehen

Bei Diabetischem Fußsyndrom ist Barfußgehen selbst im Sommer keinesfalls zu empfehlen

Zwar weisen Fachleute immer wieder darauf hin, wie gesund Barfußgehen sein kann. Doch Menschen, die an Diabetischer Polyneuropathie leiden, ist das Gehen ohne Schuhe selbst im Sommer keinesfalls zu empfehlen. Darauf weist die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) hin.

Diabetes kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen

Immer mehr Deutsche sind zuckerkrank. Die Stoffwechselkrankheit kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Häufig bedingt Diabetes im Laufe der Zeit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Zudem unterliegen Diabetiker dem Risiko, ein sogenanntes diabetisches Fußsyndrom zu erleiden. Dabei können sich kleine Verletzungen schnell zu großen Wunden mit starken Entzündungen ausdehnen, die unbehandelt zu langen Krankheitsverläufen mit operativen Eingriffen bis hin zur Amputation führen können. Patienten mit Diabetischer Neuropathie (Polyneuropathie) sollten daher selbst im Sommer keinesfalls barfuß gehen.

Hauptursache für den Großteil der Amputationen weltweit

Wie der Diabetesinformationsdienst München auf seiner Webseite erklärt, kommt das diabetische Fußsyndrom bei circa zwei bis zehn Prozent der Menschen mit Diabetes vor.

Laut den Experten können Wunden, die dauerhaft bestehen und nicht heilen (Ulkus), langfristig eine Fuß- oder Beinamputation nötig werden lassen.
„Die Wahrscheinlichkeit, ein diabetisches Ulkus zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes 19–34%“, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Endokrinologin an der Med Uni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) in einer Mitteilung.

„Wenn es einmal manifest ist, dann kehrt diese zusätzliche chronische Erkrankung immer wieder zurück. Zwei Drittel aller Amputationen weltweit werden auf Grund des Diabetischen Fußsyndroms durchgeführt“, so die Expertin.

„Mit ca. 50 000 Krankenhausaufenthalten wegen Amputationen pro Jahr, davon ca. 15 000 mit Ober- und Unterschenkelamputationen, liegt Deutschland europaweit im oberen Bereich. Ca. 70 % aller Amputationen werden bei Patienten mit Diabetes mellitus durchgeführt“, schreibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

In Österreich ist das Diabetische Fußsyndrom der Auslöser für rund 3.000 Amputationen pro Jahr.

Laut der ÖDG wäre ein Großteil davon vermeidbar, wenn Betroffene und Behandler mehr auf die Füße achten würden und therapeutische Maßnahmen, die längst zum wissenschaftlich belegten Standard gehören, entsprechend vom Gesundheitswesen übernommen würden.

Das Problem wird von den Patienten meist ignoriert

Das Diabetische Fußsyndrom betrifft sowohl Menschen mit Diabetes Mellitus Typ 1 als auch mit Typ 2. Ein Hauptproblem ist die periphere Diabetische Polyneuropathie (eine Schädigung der Nerven in den Extremitäten).

Diese bewirkt bei Betroffenen Körperwahrnehmungsstörungen und dadurch auch eine Vernachlässigung eventueller Symptome.
„Für den Patienten fühlt sich der Fuß normal an, weil er in diesem Bereich nicht mehr richtig fühlen kann und trotz optischer Zeichen, wie Druckstellen und offenen Stellen, wird das Problem meist vom Patienten ignoriert, weil nichts wehtut“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der MedUni Graz.

„Die medizinischen Fachkräfte sehen diese Stellen oft erst spät, weil Füße leider in der Regel zu wenig kontrolliert werden“, so der Fachmann.
Durch die Schädigung der Nerven fühlen die Patientinnen und Patienten nicht, wenn der Schuh nicht passt. Entstehende Druckstellen und Fußformveränderungen werden nicht bemerkt und können mit der Zeit zu offenen Stellen und Geschwüren an den Füßen führen.

Falsche Fußpflege und Verletzungen können ebenfalls die Ursache sein, weil die Schmerzwahrnehmung fehlt. Diese Geschwüre und offenen Stellen heilen gar nicht oder nur schwer, wenn nicht eine entsprechende Therapie durchgeführt wird.

Allerdings sind meistens nicht nur die Nervenschädigung sondern auch Durchblutungsstörungen mitbeteiligt, die eine Behandlung zusätzlich erschweren und wenn möglich auch saniert werden müssen.

Optimale Blutzuckereinstellung steht an erster Stelle

„Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven und Gefäße. An erster Stelle steht somit die optimale Blutzuckereinstellung, um eine Diabetische Polyneuropathie und Angiopathie zu verhindern“, sagt Kautzky-Willer.

„Zusätzlich sollte jeder Mensch mit Diabetes einmal jährlich ein Neuropathie-Screening und Gefäß-Screening erhalten“, so der Experte.

„Dabei wird mit einer schwingenden Stimmgabel oder einem sogenannten Monofilament (ein Stift mit einem dünnen Faden) die Wahrnehmungsfähigkeit in den Füßen getestet, die Durchblutung der Beine geprüft.“

Fußkontrolle schützt vor Amputationen

Wenn eine Nervenschädigung festgestellt wird, sind jede Patientin und jeder Patient beziehungsweise die Angehörigen dazu aufgerufen, täglich die Füße nach Druckstellen oder Verletzungen zu untersuchen.

Auch für das medizinische Personal ist die Fußkontrolle eine wichtige Aufgabe.

Abhängig vom individuellen Risiko sollte monatlich, quartalsweise oder halbjährlich die Kontrolle durch Spezialisten stattfinden.
„Eine regelmäßige, professionelle Fußpflege alle vier bis sechs Wochen ist keine ‚nette Beauty-Behandlung‘ sondern entscheidend für die zukünftige Lebensqualität. Idealerweise wird eine Fachkraft für medizinische Fußpflege mit Zusatzausbildung Diabetes aufgesucht“, sagt Köhler.
Die Haut der Füße sollte jeden Tag mit einer Urea haltigen Creme versorgt werden, um die Elastizität zu erhalten und dadurch wieder Verletzungen vorzubeugen.

Barfuß gehen ist keine Option

Das sonst so hochgelobte Barfußgehen ist für Menschen mit Diabetischer Neuropathie leider keinesfalls zu empfehlen, da die Verletzungsgefahr zu hoch ist. Vor allem im Sommer im Urlaub am Wasser wird die Verletzungsgefahr unterschätzt. Heißer Sand kann zu Verbrennungen führen und im Sand verborgene Gegenstände wie Muscheln oder Scherben zu Schnittwunden.

Spezielles Schuhwerk nötig

Laut der ÖDG ist geeignetes Schuhwerk vom Orthopädieschuhtechniker nötig und gilt sowohl für Straßenschuhe als auch für Hausschuhe.
Werden Konfektionsschuhe getragen, dann sollten sie nur mit speziellen Einlagen verwendet werden.
Wenn trotzdem ein Ulkus (Geschwür) entsteht, muss schnell und konsequent eine entsprechende Therapie einsetzen.

Infektionen vermeiden und Durchblutungsstörungen beheben

„Ein Geschwür kann sich infizieren und wenn die Infektion bis zum Knochen vordringt, wird es sehr problematisch, weil eine Knocheninfektion sehr schwer zu behandeln ist. Eine Amputation ist dann wahrscheinlich“, so Köhler.

„Oft ist es nur eine sogenannte Minoramputation (also eine kleinere Amputation z.B. ein Zehenglied oder eine Zehe), aber leider entstehen dann häufig neue Druckstellen und der Kreislauf beginnt von Neuem“, erläutert der Fachmann.

„Liegen zusätzlich Durchblutungsstörungen (PAVK) vor, sind diese grundsätzlich zu therapieren. Auf jeden Fall vor jedem chirurgischen Eingriff.“
Kautzky-Willer fordert abschließend: „Wir sind alle aufgerufen mehr Füße anzuschauen – das gilt für jeden Menschen mit Diabetes aber auch für alle, die professionell mit Diabetes zu tun haben.“ (ad)


Quelle: Heilpraxisnet.de https://www.heilpraxisnet.de
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